Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur vergibt dreimonatige Stipendien, die der internationalen Vernetzung und dem grenzüberschreitenden Austausch in Fragen von Erinnerungsarbeit und Auseinandersetzung mit Gewaltherrschaft und Diktatur dienen. Durch vertiefte gegenseitige Kenntnis über die jeweilige Geschichte und deren Verarbeitung sollen alle Beteiligten zu einem besseren Verständnis der jeweiligen Debatten und deren historischer und politischer, aber auch gesellschaftlicher Hintergründe gelangen.

Mit einem solchen Stipendium arbeite ich zwischen Anfang Juni und Anfang Oktober über drei Monate hinweg am Institut für Sprache, Literatur und Anthropologie des CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas) mit dem renommierten Anthropologen Francisco Ferrandiz zusammen. Es geht um die Geschichte und die Geschichten der Diktaturherrschaft, um die historische Erfahrung politischer Gewalt und deren Auswirkungen auf die gegenwärtige spanische Erinnerungskultur. Es bietet mir die einmalige Gelegenheit, mich weiter intensiv mit der spanischen Erinnerungskultur der Gegenwart zu beschäftigen – dies jedoch unter einem neuen Blickwinkel. Nachdem ich ja für die Arbeit an den Blutorangen die Beziehungen zwischen den faschistischen Regimen Deutschlands und Spaniens erforschte, betrachte ich nun die Erinnerungspolitik in vergleichender Perspektive zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Deutschland und der kommunistischen Diktaturen im Osten Europas.

 

Gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.